Zum Anfang des 18. Jahrhunderts scheint es im Gebiet des späteren preußischen Kreises Groß Wartenberg in Schlesien Oszczenda-Familien gegeben zu haben, die sich hauptsächlich in den Umgebungen der Kleinstädte Neumittelwalde und Bralin aufgehalten haben. Ein gemeinsamer Ursprung dieser Familien ist wahrscheinlich, jedoch bisher noch nicht nachweisbar. Vielleicht stammt der gemeinsame Vorfahr aus dem 17. Jahrhundert. Wahrscheinlich wurde ein Zweig dieser Familien nach dem Dreißigjährigen Krieg rekatholisiert (Familienzweig Bralin), oder aber ein Zweig dieser Familien hat den lutherischen Glauben angenommen (Familienzweig Neumittelwalde). Aus dem Namen Oszczenda (en für polnisches nasales e) entstanden Namen wie Oscenda, Oscinda, Ostenda, Ostinda, Oszenda und Oszinda. Eine Verbreitung dieser Namen aus Schlesien nach Posen und Russisch-Polen ist nicht unwahrscheinlich. Vielleicht entstanden diese Namen aber auch ungefähr gleichzeitig aus anderen Oszczenda-Familien, die schon vorher in Polen (Posen und Russisch-Polen) lebten.
Vom Standort des Bahnhofes in
Neumittelwalde sieht man das Dorf Ossen schon.
Auf der rechten Seite führt die Straße ins benachbarte Klenowe. Auf der linken
Seite führt der
Weg in einem großen Bogen durch Neumittelwalde hindurch und auf der Straße nach
Oels ins von
Neumittelwalde aus gesehen noch nähere Ossen. Früher trugen die
Gutsherrschaften ihre
Grenzstreitigkeiten zwischen den Dörfern Ossen, das seine eigene Gutsherrschaft
besaß, und
Klenowe, das zur Gutsherrschaft von Medzibor (früherer Name von Neumittelwalde)
gehörte, aus.
Auf der Straße nach Oels führt der Weg von Ossen nach Charlottenfeld. Von dort
aus geht es rechts ab nach Wegersdorf, das erst um 1765 mit dem Einzug von
schwäbischen Kolonisten in Neumittelwalde entstand. Das Dorf Klenowe ist
bereits im Jahr 1155 als Gelenow bekannt gewesen. Ossen hieß im Jahr 1305
Ozelawitz.
Liest man die heute noch vorhandenen Standesamtunterlagen ab 01.10.1874, wird
man in Wegersdorf,
das laut einer Statistik aus dem Jahre 1845 nur 151 Einwohner hatte, nicht
viele "Oscendas"
("Oscindas", etc.) finden. Wahrscheinlich hat zu diesem Zeitpunkt nur
Gottlieb Oscenda (Oszinda)
mit seinen Geschwistern und seinen Eltern (sofern der Vater noch gelebt hat) in
Wegersdorf
gewohnt. Da auch kein Bruder von Gottlieb bekannt ist, der in Wegersdorf gelebt
hat, war später
wohl die Familie des Gottlieb Oscenda die einzige "Oscenda"-Familie
in Wegersdorf. Nähere
verwandtschaftliche Verbindungen scheint es nach Ossen gegeben zu haben, denn
die beiden wohl
ältesten Söhne von Gottlieb (Karl und Gottlieb) heirateten später ihre dort
ansässigen Frauen.
Der Vater von Gottlieb sen. hatte vielleicht seine Geschwister in Ossen und
seine Cousins und Cousinen in Klenowe. Der Ursprung des Namens
"Oszinda" scheint jedoch in Szklarka zu liegen. Zwischen den Orten
Schwarzwald (heutiges Czarny Las) und Schildberg kurz hinter der damaligen
Grenze zu Polen in der Nähe von Neumittelwalde gibt es heute den Ort Szklarka
Przygodzicka, der zu preußischen Zeiten vorübergehend Glasdorf hieß und zum
Kreis Adelnau gehörte. In den evangelischen Kirchenbüchern aus Ostrowo findet
man schon vor 1780 den Namen "Oszinda" bei den Paten in Verbindung
mit dem Ort Szklarka. In den katholischen Kirchenbüchern von Schildberg findet
man für den Ort Szklarka, als es für diese Gegend noch keine evangelischen
Kirchenbücher gab, schon im April 1741 eine Taufe mit der Schreibweise
"Osczenda". Diese Schreibweise ist heute nicht mehr so bekannt. Im
19. Jahrhundert findet man die Schreibweise "Oszczenda". Noch
gängiger als das "en" ist das polnische "nasale e" mit
einem Häkchen unter dem "e". Vereinfacht wurde der Name auch
"Oscenda" geschrieben. Die Entstehung des Namens "Oszinda"
lässt sich ganz einfach dadurch erklären, dass das "c" hinter dem
"Osz" öfters so geschrieben wurde, dass der Bogen über dem
"c" wie ein i-Punkt aussah. Das nasale "e" mit dem
"z" davor sah so aus wie ein "n".
Folgende Personendaten sind u.a.:
Im Oktober 1737 heiratet der im März 1796 in Szklarka versterbende Joannes Osczenda (Sohn des Mathias Osczenda) Anna Dziesiaty (Tochter des Bartholomäus Dziesiaty) in der katholischen Kirche zu Schildberg. Im April 1741 wird in Szklarka (späterer Kreis Adelnau) ein Adalbertus (polnisch: Woyciech) Osczenda als Sohn des Joannis Osczenda und und dessen Ehefrau Anna geboren. Bei seiner Heirat im Jahre 1765 tritt Adalbertus zum katholischen Glauben über, da er sonst seine katholische Frau Sophia nicht heiraten dürfte. Erst ab 1768 werden in Polen Heiraten zwischen Evangelischen und Katholischen erlaubt. Adalbertus hat noch mehrere Geschwister, die zum Teil auch unter dem Nachnamen Dziesiaty im katholischen Kirchenbuch von Schildberg eingetragen sind. Im November 1745 wird Bruder Martin Oszczeda in Szklarka geboren, der mit dem Dreschgärtner Martin Oscenda aus Klenowe identisch sein könnte (s.u.). In den ev. Kirchenbüchern von Ostrowo findet man am 29.01.1781 die Heirat des Michael Oszczeda (geb. im Juli 1758 in Szklarka als Michael Dziesiaty) mit Hedewiga Kupiec. Das erste Kind, geb. am 29.07.1782 in Szklarka, wird als Johan Oszinda im Taufbuch vermerkt. Bei den Taufen erscheint allgemein öfters der Name Oszinda in Verbindung mit dem Ort Szklarka. (Die ev. Kirchenbücher aus Ostrowo beginnen im Jahre 1775 und damit über 30 Jahre früher als die ev. Kirchenbücher aus Schildberg. Im Jahr 1775 übernahm der Fürst Radziwill die Herrschaft Przygodzice. Zur selben Zeit wurden die Wälder und die wenig fruchtbaren Sandflächen westlich von Schildberg und Kempen mit schlesischen Lutheranern besiedelt, die durch die Schrecknisse der drei schlesischen Kriege (1740 bis 1763) vertrieben wurden. Der Ort Szklarka liegt an der damaligen schlesisch-polnischen Grenze nicht weit entfernt von dem zur Herrschaft Medzibor gehörenden Ort Kottowsky.)
Elisabeth Osczenda, Tochter des
Joannes Osczenda aus Ossen heiratet am 20.11.1746 Thomas Wawrzinczak,
Sohn des Gregor Wawrzinczak aus Szklarka myslniewska (späterer Kreis
Schildberg) in der katholischen Kirche zu Kobylagora. George Oszczenda (geb. um
1730), Auszügler zu Kuznica myslniewska, verstirbt am 18.05.1815 in Szklarka
myslniewska bei seiner im November 1790 in Kuznica geborenen Tochter Helena
Wawrzyniak, verw. Krysiaken, geb. Oszczenden. In den Standesamtregistern von
Haideberg gibt der am 04.03.1853 in Kuznica myslniewska geborene Karl Oszczeda
die Namen Oszczenda, Oscenda und Ostenda weiter. Vater des Karl Oszczeda
(Oszczenda) ist der im Februar 1789 in Kuznica geborene Matthias Oszczeda, der
1849 noch mal heiratet. Eltern des Matthias Oszczeda sind George Oszczeda und
Ehefrau Barbara, geb. Kulawik zu Kuznica myslniewska, die mit dem Ehepaar
Oszczenda (Oscenda) aus Adelnau identisch sein könnten (s.u.).
Dreschgärtner Martin und Helena
Oscenda
Als Sohn wird Johann Oscenda am 12.05.1766 in Klenowe geboren
Johann heiratet später die am 27.01.1777 in Klenowe geborene Catharina
Mundry
Beide haben zumindest sechs Kinder: Martin, Friedrich, Rosina, Maria, Susanna,
Georg
Hausmann Gottfried Oscenda und
Johanna, geb. Dubiel waren in Ossen wohnhaft
Eine Tochter wird um 1816 in Ossen geboren
Mögliche Geschwister von Gottfried sind:
1. Rosine Kursawe, geb. Oszinda, geb. um 1801 in Ossen
und dort am 15.11.1891 verstorben (keine Angabe zu den Eltern)
2. Elisabeth Sowa, geb. Oszinda (Oscenda)
Früheste bekannte Geburt eines Kindes: um 1816 in Ossen
3. Johanna Buchwald, geb. Oszinda
Früheste bekannte Geburt eines Kindes: um 1812 in Ossen
Johann Oscenda, wohnhaft in Ossen
Seine jüngste eingebliebende Tochter Marie (geb. um 1817) heiratet August Klar
am 07.12.1853 in Ostrowo
Johanns Enkelin Juliane Klar wird am 22.09.1855 in Ostrowo geboren und
verstirbt dort am 19.04.1856
(Bei Johann Oscenda könnte es sich um den im Juli 1782 in Szklarka geborenen
Johann Oszinda handeln, dessen Vater Michael zusammen mit seiner nur wenige
Wochen alten Tochter Mariana im Juli 1784 in Szklarka verstirbt. Johanns
Stiefvater ist später Michael Bul aus Schwarzwald, der 1785 die Witwe Oszinda
heiratet.)
Weitere Enkel von Johann Oscenda könnten sein:
a) Susanna Oscinda, geb. 29.03.1835
Tochter des zu Ossen verstorbenen Johann Oscinda und der Helena, geb. Paduch
Susanna Oscinda wird um 1850 zusammen mit der unter b) aufgeführten Johanna
Oscinda konfirmiert
Am 11.10.1868 heiratet Susanna Oscynda Robert Adolph Dietrich in Ostrowo
Susanna Oscinda ist Patin des am 05.11.1865 in Ostrowo geborenen August Wilhelm
Johann Schubert
Dessen Mutter Johanna Schubert, geb. Ostende verstirbt am 18.03.1876 im Alter
von 47 Jahren in Ostrowo
Als Geburtsort der um 1829 geborenen Johanna Schubert wird Medzibor
(Neumittelwalde) angegeben
Ehemann Johann Schubert ist zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben
b) Johanna Oscinda, geb. am 12.06.1837 in Wegersdorf
Mutter ist um 1850 Witwe
c) Gottlieb Oscenda, geb. um 1827 in Wegersdorf, gest. 16.07.1903 in Wegersdorf
Eltern in Wegersdorf verstorben
Ehefrau: Rosina Oscenda, geb. Zachciala
Kinder: Karl, Gottlieb, Auguste, August, Anna Pauline, Heinrich
In Zucklau, Kreis Oels, lebt später eine Tochter mit ihrem Ehemann Thoy
(Theu)
Weitere Namensvorkommen sind u.a.:
Woyciech (George) Oscenda
(Oszczenda), verheiratet mit Barbara, geb. Gottschlingen
Früheste bekannte Geburt eines Kindes am 28.10.1777 in Bogdaj, späterer Kreis
Adelnau
Christian Ostende, geb. um 1769, verheiratet mit Helena,
geb. Kahlen
Seit um 1807 wohnhaft zu Adelnau-Vorstadt Garken
Susanna Hein, geb. Ostinde verstirbt am 19.11.1883 in
Alt-Festenberg (geb. um 1829 zu Gaffron)
Ernst Ostenda, verheiratet mit Ehefrau Karoline
Bekannte Geburt eines zweiten Kindes am 07.06.1912 in Strehlitz, Kreis Oels
Hermann Ostenda ist 1921
Gemeindevorsteher in Allerheiligen, Kreis Oels.
Er wurde am 24.10.1878 in Buselwitz, Kreis Oels, geboren (Ehefrau: Anna, geb.
Neumann).
Bremen, 27.03.2010
Die Namen "Oscenda",
"Ostenda", "Oszenda" und "Oszinda" scheinen
zumindest im Grenzgebiet der preußischen Kreise Groß Wartenberg in Schlesien,
sowie Adelnau und Schildberg in Posen aus dem Namen "Oszczenda" (-en
steht als lateinische Schreibweise für das polnische nasale e) entstanden zu
sein. Sowohl auf der Telefon CD Deutschlands als auch Frankreichs um das Jahr
2000 herum überwiegen die wenigen "Oscenda"-Einträge die noch
wenigeren "Oszenda"-Einträge (in beiden Ländern sind etwas über zehn
Einträge). Ende 1990 hießen von etwa 34 Millionen erfassten Einwohnern Polens
67 "Oscenda" und 17 "Oszenda". Etwa 3 Millionen Einwohner
Polens wurden von der polnischen Datenbank nicht erfasst. Vor dem zweiten
Weltkrieg verließen die Brüder Edward und Ferdynand Oszenda Frankreich und
verbreiteten so den Namen "Oszenda" in Polen. Mieczyslaus Oszenda,
ein Bruder von Edward und Ferdynand, hat seine Nachkommen in Frankreich. Vater
Wladislaw Oszenda wurde am 28.11.1901 in Pichlice (Russisch-Polen) geboren und
mit seiner Familie am 04.05.1933 in Frankreich eingebürgert. Am 19.12.1894
wurde Jean Oscenda in Przybylow (Russisch-Polen) geboren. Er und seine Nachkommen
wurden am 28.03.1934 in Frankreich eingebürgert.
Im Internet ist auch der Name "Osenda" auf französischen und
italienischen Seiten sehr oft zu finden. Der Name "Osenda" geht aus
Namensvorkommen wie "Ossenda", "Aussenda",
"Auzenda" und "Ozenda" hervor. Im IGI der Mormonen findet
man zwischen den Jahren 1615 und 1624 16 "Ossenda"-Einträge im
französischen Saorge (Mittelmeeralpen).
In Polen gibt es heute noch öfters den Namen "Oszczenda". Diese
Namensform (zumeist mit Haken
unter dem eàwie
schon erwähnt für die Endung -en) gab es 1990 in ganz Polen mit über 350
Einträgen. Die Namen "Oscenda" und "Oszenda" waren 1990
zumeist in der polnischen Provinz Kaliskie (auch Gebiet der damaligen Kreise
Groß Wartenberg, sowie Schildberg und Adelnau) zu finden. Den Namen
"Ostenda" findet man in Polen, Deutschland und Italien.
"Ostenda" ist auch der italienische und lateinische Name des
belgischen Oostende. Im IGI findet man im italienischen Genova eine Cecelia
(Cecilia) Ostenda, die dort 1831 geboren wurde. Im französischen Dauphine wurde
1765 ein Frans Willems van Ostenda geboren. In Polen heißt das belgische
Oostende auch Ostenda, und in der polnischen Datenbank hat der Name
"Ostenda" 133 Einträge. Im IGI der Mormonen gibt es auch den Namen
"van Oostende", "Oostende" (Niederlande) und
"Ostende" (Niederlande, Posen). Die Stadt Oostende erhielt im Jahre
1072 das Stadtrecht und wurde in den Jahren 1601 bis 1604 von Spaniern besetzt.
Schon im 16. Jahrhundert flüchteten calvinistische Glaubensanhänger aus den
Niederlanden hauptsächlich nach Nordwestdeutschland. Sie wurden von den
Spaniern im spanisch-niederländischen Krieg vertrieben. Unter dem Kurfürsten
Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Preußen (1620-1688), der am 21.11.1640 die
Nachfolge seines Vaters Georg Wilhelm antrat, wurden schon um 1650 holländische
Siedler und Spezialisten durch finanzielle Zuschüsse und Steuervergünstigungen
ins Land Brandenburg geholt. Hugenotten (Name der französischen Calvinisten)
verließen hauptsächlich 1685 (aber auch schon um 1550) ihre Heimat und kamen in
Deutschland hauptsächlich nach Hessen Kassel und nach Brandenburg-Preußen.
In Ungarn kommt heute noch der Name "Oscsenda" vor, der phonetisch
der polnischen Aussprache des "Oszczenda" entspricht. Im Alter von 15
Jahren erreichte Janos Oscsenda am 28.10.1904 den Hafen von Ellis Island in
Amerika und gelangte dort in die Stadt Trenton. Er heiratete später und lebte
als John Oscenda in Amerika weiter. Als Nachkommen hatte er vier Töchter.
Schon, als im 13. und 14. Jahrhundert die eigentliche Entwicklung der Städte in
Schlesien begann, sind Nachkommen flämischer Einwanderer, die zuvor im 12.
Jahrhundert ins thüringische Land östlich der Saale einwanderten, weiter nach
Schlesien gelangt. Die Organisation des städtischen Lebens in der Frühzeit stützte
sich auf das sogenannte "Polnische Recht". Im 13. und 14. Jahrhundert
erhielten die damals nach westlichem Recht angelegten Städte Flämisches,
Magdeburgisches und seine östliche Variante, das Neumarkter Recht, obwohl
zusammenfassend eigentlich später mehr vom "Deutschen Recht" die Rede
ist. Während und nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden die Protestanten
Schlesiens verfolgt. Einwanderungen der "Ossendas/Osendas"
französischer Abstammung oder von Flamen mit dem Namen "Ostende" in
das Gebiet von Neumittelwalde bis zum Zeitpunkt der Beendigung der drei
schlesischen Kriege vor den drei polnischen Teilungen sind nicht auszuschließen
– aber unwahrscheinlich. Die polnischsprechende Landbevölkerung war dort
ziemlich groß, und es ist bekannt, dass viele Pastoren dazu neigten, eine
slawische Schreibweise verschiedener Namen durchzuführen, andererseits wurden
auch polnische Namen eingedeutscht. Die um 1990 in Polen lebenden
"Oszczendas" und "Ostendas" befanden sich hauptsächlich in
Westpolen, dem Gebiet, das nach den drei polnischen Teilungen in den Jahren
1772, 1793 und 1795 zu Preußen gehörte. Die männlichen Vorfahren könnten
evangelische Einwanderer aus Schlesien oder auch Flüchtlinge aus dem langsam
zerfallenden Polen nach Schlesien (auch dort bleibende Einheimische) sein.
Schon ab 1776 gab es evangelische Kirchenbücher in Adelnau, die deutsch
geschrieben wurden, da das Evangelische dem Deutschtum zugeordnet wurde. Schon
während des dreißigjährigen Krieges fanden Auswanderungen evangelischer
Schlesier nach Polen ins spätere Posener Gebiet statt. Mitte des 17.
Jahrhunderts vor der großen Gegenreformation in Polen wurde das Bartschbruch
südlich von Adelnau mit schlesischen Lutheranern besiedelt, die die Dörfer
Granowiec, Bogdaj, Mlynik, Garki, Bonikow, Uciechow und Glisnica anlegten und
in diesem abgelegenen Gebiet relativ ungestört ihrem Glauben nachgehen
konnten. Die ev. Kirchenbücher von Adelnau beginnen in den Jahren 1776 und
1777 mit jeweils 17 Taufen. Bereits am 28. Oktober 1777 ist dort die Geburt eines
Marthin Oscenda für das Dorf Bogdaj direkt an der Grenze zur schlesischen
Herrschaft Medzibor verzeichnet. Die ev. Kirchenbücher aus Ostrowo, die im
Jahre 1775 beginnen, enthalten auch Taufen aus Gebieten der späteren ev.
Nachbargemeinden Adelnau und Schildberg.
Allgemein lässt sich beim Namen "Oscenda" eine Ableitung vom Namen
"Oszczenda" vermuten. Das nasale "e" wurde in ein
"en" umgewandelt und in einigen Fällen auch in "in".
Anstatt "Oscenda" gab es auch gängige Schreibweisen wie
"Oscinda", "Oszenda" und "Oszinda", wobei das
"c" später vielleicht in eine deutsche Phonetik "z"
umgewandelt wurde, wie auch ein Fall in Sachsen-Anhalt zeigt, wo ein Johann
Oscenda vor dem zweiten Weltkrieg die Namen "Oscenda" und "Oszenda"
an seine Nachkommen vererbt. Andererseits tauchen die Schreibweisen
"Oszenda" und "Oszinda" schon Ende des 18. Jahrhunderts in
den Kirchenbüchern aus Ostrowo auf. Es kann sein, dass der Name
"Oszczenda" mit seinen Ableitungen wiederum eine Ableitung vom Namen "Ostenda"
(deutsch: Ostende) ist, und dass "Ostenda" der ältere Name ist, denn
eine Ableitung des "Oszczenda" vom polnischen "Sparsam
sein" = "Oszczendza" kann bezweifelt werden, da diese
Schreibweise in der 1990er Datenbank 0 Einträge hat. Vielleicht wurde das
"Ost" schon zum Ende des Mittelalters, als es noch keine richtige
Schrift gab, "Oszcz" ausgesprochen.
Die Oszinda-Vorfahren haben den Namen "Oscenda" zunächst in
"Oscinda" verdreht. Ende des 19.
Jahrhunderts versuchten Gottlieb Oscenda und dessen Söhne Karl, Gottlieb und
August, sowie Johann Oscenda, geb. am 04.06.1864 in Klenowe (Enkel von
Friedrich Oscenda aus Klenowe), den Namen "Oscinda" bzw.
"Oszinda" durchzusetzen. August Oscenda gelang dies nicht, da ihm das
Amtsgericht in Querfurt einen Strich durch die Rechnung machte. Bei zwei
Geburtseinträgen wurde nachträglich festgestellt, dass der richtige Name
"Oscenda" ist. Die erste offizielle standesamtliche
"Oszinda" - Unterschrift lieferte wohl Gottlieb Oscenda jun. ab. In
seiner Heiratsbeurkundung des Standesamtes Ossen am 06.10.1875 war der
offizielle Name noch "Oscenda". Gottlieb unterschrieb mit
"Oscinda". In der Geburtsbeurkundung seiner Tochter Christiane,
Auguste Ossinda (geb. 27.12.1875 in Ossen) am 29.12.1875 unterschrieb Gottlieb
mit "Oszinda". Hat die Verwandtschaft in Ossen erzählt, dass
"Oscinda" "Oszinda" geschrieben wird? Gottliebs erster Sohn
August, Carl Oszinda wurde am 28.11.1877 in Ossen geboren. Gottliebs zweite
Tochter Pauline Ostinda wurde am 06.04.1880 in Ossen geboren. Am 27.10.1910
wurde auf Anordnung des Amtsgerichts in Neumittelwalde festgestellt, dass bei
August Carl und Pauline der Familienname des Vaters richtig "Oscenda"
lautet. Cirka 9/10-tel Schlesiens fiel in den drei schlesischen Kriegen in den
Jahren von 1740 bis 1763 an Preußen. Vielleicht kamen die ersten Oscendas schon
vorher während oder nach dem dreißigjährigen Krieg in die Gegend von
Neumittelwalde, das zu dieser Zeit noch zum Fürstentum Oels gehörte und bis ins
Jahr 1886 Medzibor hieß.
Oszinda-Namensträger des 21. Jahrhunderts sind (siehe Einträge auf Telefon CD`s
in Deutschland):
1. Die Nachkommen von Johann Oscenda, dem es gelang, den Namen Oszinda
durchzusetzen
2. Die Nachkommen von August Carl Oszinda, die hauptsächlich in Bayern leben
3. Die Nachkommen von August Oszinda, fünfter Sohn des Karl Oscenda und Cousin
von August Carl
Die erste Kirche in Neumittelwalde war schon um 1560 evangelisch und wurde
zunächst meist von der polnisch sprechenden Bevölkerung Schlesiens genutzt. Im
Jahr 1607 wurde die Herrschaft Medzibor endgültig rechtskräftig dem
protestantischen Fürstenhause Herzogtum Oels einverleibt. Die polnischen und
deutschen Gottesdienste wurden lt. Erlass einer Kirchenordnung vom 18.11.1633
getrennt abgehalten. Der polnische Gottesdienst fand immer vor dem deutschen
Gottesdienst statt. Im Jahr 1637 erhielt Neumittelwalde unter dem Namen
Medzibor das Stadtrecht. Der Name Mittelwalde für die deutschsprachige
Bevölkerung hat sich nie richtig durchgesetzt, obwohl die Bürgerschaft des
Ortes schon vor der Stadtrechtsverleihung rein deutsch gewesen sein soll. Die
Pfarrkirche zu Medzibor wurde nach dem Westfälischen Friedensschluss im Jahr
1648 wegen seiner Zugehörigkeit zum Fürstentum Oels nicht dem katholischen Kult
zurückgegeben. Am 28.10.1725 wurde eine massivere evangelische Kirche "Zum
heiligen Kreuz" eingeweiht. Nach dem ersten schlesischen Krieg wurde
Medzibor auch vermehrt deutsch (viele Schwaben) besiedelt. Im Jahr 1818 wurde
Medzibor im Kreis Groß Wartenberg aufgenommen, der zusätzlich zu den Gebieten
der ehemaligen Standesherrschaft Wartenberg das Gebiet Festenbergs und den
Kirchenhalt Tscheschen hinzu bekam. Neben dem Neumittelwalder Gebiet gehörte
auch noch das Goschützer Gebiet und Bralin zum Kreis Groß-Wartenberg. Das
Wartenberger Gebiet gehörte bis ins Jahr 1489 zum Herzogtum Oels und wurde in
diesem Jahr eine selbständige freie Herrschaft.
Bremen, 27. März 2010