Schwinn in
Hummetroth im Odenwald
Der Wagner
Johann Leonhard Schwinn (1778 - 1842),
der aus Wald-Amorbach stammende
Stammvater der Hummetröther Familie Schwinn, heiratete
am 08.02.1802 in der heutigen Straße ,,Zum Sportplatz 9" in das Haus ein,
wo sein Schwiegervater Johann Michael Friedrich
eine Schankwirtschaft betrieb.
Nachdem
er sich in der Kinziger Straße (heutige Hausnummer 5) ein neues zweistöckiges
Wohnhaus mit einer Wagnerwerkstätte und einer kleinen Hofreite erbaut hatte,
bemühte er sich, in seinem an einer Durchgangsstraße gelegenen Haus die
Genehmigung zur Erteilung einer Schildwirtschaft zu erlangen. In einer
Schildwirtschaft konnten die Gäste - im Gegensatz zu einer Schank- und
Straußwirtschaft - übernachten und in einem separaten Stall ihre Pferde
unterstellen. Johann Leonhard Schwinn versprach sich von einer Gastwirtschaft
an einer vielbefahrenen Landstraße ein gewinnbringendes Geschäft.
Am
02.07.1821 richtete er an die ,,Hochlöbliche
Löwenstein-Rosenbergische Domänenkanzlei", der ,,gnädigen Erteilung
einer Schildwirtschaft betreffend, nachstehenden Antrag:
>>>
Seit länger als 50
Jahren wurde von meinem verlebten Schwiegervater, Michael
Friedrich, und dann von mir hier in Hummetroth eine Wirtschaft
getrieben. Meinem Schwiegervater wurde die Wirtschafts-Konzession fast
aufgedrungen, seine Wirtschaft hatte immer einen guten Namen, und diesen hat
sie auch bei mir erhalten.
Um
mein Haus zum Betrieb einer Wirtschaft besser und zweckmäßiger einzurichten,
habe ich ein nicht unbedeutendes Kapital aufgewendet.
Hummetroth
zählt 28 Hauser und Gemeindsglieder. Es liegt auf der
Straße, die von Habitzheim, Lengfeld usw.
nach König, Michelstadt usw.
zieht und ziemlich gangbar ist. Mancher Hungrige und Durstige erquickte sich
bei mir durch Speise und Trank. Von hier bis zum nächsten Orte, wo Wirtschaft
getrieben wird, wie nach Höchst, nach König, nach Kirchbrombach und Brensbach, beträgt die Entfernung
eine gute Stunde. Die Lage und wertliche
Beschaffenheit von Hummetroth steht daher
gewiß dem Betrieb einer Wirtschaft daselbst nicht im
Wege.
Ich
habe kürzlich um Erneuerung meiner Wirtschafts-Konzession nachgesucht, mein
Gesuch wurde mir aber abgeschlagen, weil meine Wirtschaft zu viel sei.
Wie
ich bereits vorgestellt habe, ist aber Hummetroth
zum Betrieb einer Wirtschaft ein gelegener Ort, ich habe mein Haus zum Betrieb einer
Wirtschaft mit großen Kosten erbaut, auch in die übrige Einrichtung vieles
verwendet; alles Aufgewendete würde aber verloren gehen, wenn ich ferner nicht
mehr Wirtschaft betreiben dürfte. Da sich dazu meine Wirtschaft schon ein
halbes Jahrhundert tadellos erhalten hatte, so wage ich es, Eine Hochlöbliche
Domänen-Kanzlei untertänig zu bitten:
Hochdieselbe wolle mir den ferneren Betrieb der Wirtschaft verstatten und mir zu dem Ende das Recht verleihen, ein
Wirtschaftsschild aushängen zu dürfen.
Hummetroth
am 2ten Juli 1821, gez. Leonhard Schwinn *) <<<
*) Das Gesuch des Johann Leonhard Schwinn um
Erteilung einer Lizenz zur Eröffnung einer Schildwirtschaft wurde abermals
abgelehnt. StA Wertheim Rep. 0 12, cap. III,fasc.15a ,,Schankwirtschaftsprivilegien
betreffend "
Der
Sohn von Johann
Leonhard Schwinn, Peter Schwinn I (1806-1869), Wagner, Landwirt
(2,28 ha), Wirt, Mitglied der Gemeinderats, heiratete
1828 Eva
Katharina Ditter (1803-1863), Tochter des Peter Ditter (Im Wäldchen 3). Vor
1863 wohnte die Familie in der Kinziger-Straße 5 und in der Stockwiesenstraße 1
(zur Miete) in dem späteren Schulhaus.
Als
1857 das Haus von der Besitzerin (Witwe des Michael Berres) an die Gemeinde Hummetroth verkauft
wurde, musste Peter
Schwinn I. seine Wohnung räumen, weil sie zu Schullokal bestimmt
worden war. Auf dem Speicher lagerte er noch Heu und Streu und im Keller
Kartoffeln. Im Stall hatte er noch zwei Kühe stehen. Er begab sich deshalb im
Spätjahr 1857 zum Kreisamt in Neustadt, um dort seine Sorgen vorzubringen. Nach
dem Protokoll der Unterredung sprach er die Vermutung aus, dass nach Hummetroth
als Lehrer ein lediger Mann beordert würde. Er bat um die Erlaubnis, die
Gegenstände und Kühe noch während der bevorstehenden Wintermonate in den
Räumlichkeiten belassen zu dürfen, da er vorerst nicht wüßte,
wo er sie unterbringen könnte. Er erklärte sich aber bereit, seine Sachen und
das Vieh alsbald wegzuschaffen, wenn „der demnächstige
Lehrer die bemerkten Räume nötig haben“ sollte.
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anzusehen, brauchen sie nur den
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Weitere Bilder können Sie auf der Eingangsseite unter „Family Photos“ finden.
Peter Schwinn I. zog dann in das Haus
Kinziger-Straße 1, das heute noch im Besitz der Familie ist. Ob er das Haus
erbaut oder gekauft hat, konnte ich bis jetzt noch nicht herausfinden. 1863
wird das Haus wie folgt beschrieben: Einstöckiges Wohnhaus mit Stall,
Balkenkeller und Wagenremise (1873 kam eine einstöckige Scheuer mit Stall dazu
und 1883 noch ein einstöckiger Remisebau mit Schweinestall). →
Bild
Danach
erscheint der Schneidermeister; Mitglied des Gemeinderats, Beigeordneter,
Schulvorstand Johann
Peter Hübner II.,
→.Bild,
Sohn des Nicolaus
Hübner (Hassenrother Straße 7) als
Besitzer des Hauses. Er hatte 1867 Eva Elisabeth Margarethe Schwinn (1863-1911), →. Bild, eine Tochter von Peter Schwinn I. geheiratet. Johann Peter Hübner II. war der
Stiefvater von
Peter Schwinn (dem unehelichen Sohn der Eva Elisabeth
Margarethe Schwinn; Schneidermeister, Händler, im Gemeinderat,
Beigeordneter, wird nächster Besitzer des Anwesens. Er heiratete 1891 Maria Hallstein
(1870-1940), → Bild
Tochter des Ackersmanns Jakob Hallstein und Katharina Saul in Birkert. Peter Schwinn und
seine Frau waren von 1904 bis 1922 in dem Haus Spezerei- und Kurzwarenkrämer.
Das
Anwesen ging danach über an Ludwig Schwinn (1894-1947), Schneidermeister,
Händler, Landwirt (0,65 ha), Musiker, Beigeordneter, verheiratet 1923 mit Margarethe
Karoline Schönhaber.(1900-1963) . → Bild Ludwig Schwinn
baute das Haus 1935 um, versah es mit einem Anbau und modernisierte es der Zeit
entsprechend innen und außen. Er
betrieb in dem Haus seine Schneiderei und übernahm am 1. April 1922 zusammen mit seiner Frau den Handel mit
„Kurz-, Woll- Weiß- und Baumwollwaren“ sowie Drogerieartikeln, Fahrradzubehör
und Tabakwaren.
Das
Geschäft wurde nach dem Tod von Ludwig Schwinn von seiner Tochter Luise → Bild, der späteren Ehefrau des Adam Matthes, als
Textilgeschäft mit Kurzwaren fortgeführt und 1948 (bis 1950) auf Lebensmittel
und Haushaltsgegenstände umgestellt.
Nächster
Besitzer war Johann
Gerhard Schwinn → Bild
(1931-2001), ein Sohn von Ludwig Schwinn, Verwaltungsangestellter bei der
AOK Erbach (seit 1947) und der Gemeinde Höchst (1972-1991), Mitglied des
Gemeinderats, Beigeordneter, Bürgermeister, 1. Vorsitzender des
Männergesangvereins, Leiter der ,,Hauskapelle“. Er heiratete 1956 Elfriede Anna Scior, Tochter des Johannes Scior (Höllerbacher
Straße 7). Sie renovierten und modernisierten das gesamte Anwesen und
versetzten es in einen der heutigen Zeit entsprechenden Zustand. →
Bild Das Haus ist auch heute
noch in Familienbesitz.
Die
Angaben wurden übernommen aus der
„Dorfchronik Hummetroth“ von Karl-Heinz Winter; Herausgeber: Ortsbeirat
sowie Verkehrs- und Verschönerungsverein Hummetroth, 1992, Seiten 95 109, 123
und 183.
Nach den Einträgen in
den Kirchenbücher hießen viele männliche
Bewohner Hummetroths mit ihrem ersten Vornamen
,,Johann“. In den Akten des Kreisamtes und der Gemeinde Hummetroth fehlt
meistens dieser erste Vorname. Es kommt daher vor, daß
die Betroffenen im Häuserverzeichnis mit und an anderen Stellen der Dorfchronik
ohne ,,Johann" erscheinen.
11.11.2002 AR